Bakterien

Wissenshunger im Juli: Strahlende Sprossen

Sprossen können tödlich sein, und Radioaktivität Leben retten.

Manchmal lauert die Gefahr genau dort, wo man sie nicht erwartet. Fast 4000 Menschen haben sich in Deutschland mit dem Ehec-Erreger infiziert, mehr als 800 sind schwer erkrankt, 49 gestorben. Überträger der Keime waren offenbar Sprossen. Ausgerechnet ein Lebensmittel also, das als natürlich, gesund, gut gilt.

Ganz anders sieht es mit Radioaktivität aus. Die ist unnatürlich, gefährlich, böse. Das weiß jeder Deutsche, inzwischen sogar die ehemalige Atombefürworterin Angela Merkel. Nur geht es in der Realität eben selten zu, wie in einem Arnold-Schwarzenegger-Film, und wenige Dinge sind ganz und gar gut oder böse.

Die vermeintlich so gesunden Sprossen, egal ob von Rettich, Radieschen, Linsen oder (mehr …)

  • EHEC-Bakterium
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    GAU im Bakterien-Genom: Wie der EHEC-Erreger entstand und warum er eigentlich EAEC heißt

GAU im Bakterien-Genom: Wie der EHEC-Erreger entstand und warum er eigentlich EAEC heißt

Der EHEC-Erreger ist vermutlich durch das Verschmelzen zweier gefährlicher Keime entstanden

Kenne deinen Feind! So lautet eine Regel des chinesischen Militärstrategen Sun Tzu. Und sie gilt nicht nur bei Kriegen und Schlachten, sondern auch im Kampf gegen Infektionskrankheiten. Denn nur wenn Ärzte und Forscher über einen Krankheitserreger genau Bescheid wissen, können sie die Patienten optimal behandeln, die Quelle schnell eingrenzen, neue Infektionen verhindern.

Deshalb war es für viele Ärzte und Forscher auch schon eine unangenehme Überraschung, als zu Beginn des EHEC-Ausbruchs klar wurde, dass es sich bei dem Übeltäter nicht um einen der üblichen Verdächtigen handelt, sondern um den seltenen Serotyp O104. „Dieser Erreger ist weltweit noch nie als Quelle eines Ausbruchs aufgefallen“, wunderte sich der EHEC-Forscher Helge Karch. Der Stamm war ihm in den vergangenen 15 Jahren nur einmal untergekommen. Das war 2001, bei einem schwer erkrankten Geschwisterpaar aus Köln. (mehr …)

  • Gurke
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    EHEC-Update: Entlastete Gurken, schneller Test, gefährlicher Keim

EHEC-Update: Entlastete Gurken, schneller Test, gefährlicher Keim

Der EHEC-Erreger greift das Gehirn offenbar stark an. Forscher vermuten inzwischen, dass der Keim gefährliche Eigenschaften verbindet, die bisher nicht zusammen aufgetreten sind

Ein langes Wochenende steht bevor, aber ehe ich mich hier verabschiede, die wichtigsten Neuigkeiten zum Thema EHEC:

– Die spanischen Gurken sind (mehr oder weniger) entlastet
Als die Hamburger Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks am vergangenen Donnerstag vor die Presse trat, verkündete sie einen „großen Erfolg“. Das Institut für Hygiene und Umwelt (HU) hatte den EHEC-Erreger auf spanischen Biogurken nachgewiesen. Aber inzwischen ist klar, dass es nur eine falsche Fährte war.
Weitere Untersuchungen in Hamburg und am Referenzlabor für EHEC am Bundesinstitut für Risikobewertung in Berlin, haben gezeigt, dass es sich bei den Escherichia coli-Bakterien auf den Gurken um einen anderen Stamm handelt als den aus Patienten-Stuhlproben isolierten Typ O104.
Das Institut hatte vergangene Woche nur das Shigatoxin nachgewiesen, dass manche E.coli-Bakterien produzieren. Genau genommen beweist das allerdings noch nicht (mehr …)

Erste Erfolge mit neuer EHEC-Therapie

Die ersten Rückmeldungen zur neuen Therapie schwerer HUS-Fälle sind vorsichtig optmistisch.

Im Kampf gegen das gefährliche Darmbakterium EHEC gibt es endlich einmal gute Nachrichten: Mehrere Ärzte, die zurzeit Patienten mit dem Antikörper Eculizumab behandeln, sagten mir heute, die ersten Ergebnisse seien vielversprechend. „Bei einem Patienten hat die Hämolyse eindeutig nachgelassen. Nach meinem Eindruck hat Eculizumab bei diesem Patienten geholfen“, schrieb etwa Andreas Kribben, Nierenspezialist am Universitätsklinikum Essen, in einer E-Mail. Dort werden zur Zeit zwei besonders schwer erkrankte Patienten mit dem Medikament behandelt. Bei dem anderen Patienten ließe sich der Erfolg noch nicht beurteilen, schrieb Kribben.

Auch Veit Busch, Nephrologe am Universitätsklinikum Münster ist vorsichtig optimistisch. „Der Zustand einer Patientin, die mit dem Antikörper behandelt wird, hat sich deutlich verbessert“, sagt er. Auch in Münster werden zurzeit zwei Patienten mit Eculizumab behandelt. „Es ist natürlich schwer zu sagen, ob das ein spontaner Verlauf ist. Aber im Moment sieht es eher so aus, als würden Patienten ansprechen.“ Ärzte mehrerer anderer Kliniken bestätigten diesen Eindruck. Das alles sei aber kein wissenschaftlicher Nachweis, betont Busch. (mehr …)