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Wissenshunger im November: Saftige Enttäuschung

Cranberrys sind keine Gesundheitsfrucht: Von Beeren und Blasenentzündungen

Kennen Sie die Großfrüchtige Moosbeere? Nein? Wahrscheinlich ist ihnen die Frucht schon häufiger begegnet, allerdings unter dem Namen „Cranberry“. In einem Cosmopolitan etwa gehört ihr Saft neben Cointreau und Wodka zu den wichtigsten Zutaten. Und wenn Sie die 90er-Jahre und ein paar sexbesessene New Yorkerinnen nicht verschlafen haben, dann haben Sie irgendwo in dem „Sex and the City“-Hype zumindest von dem Cocktail schon einmal gehört.

Als Großfrüchtige Moosbeere wäre dem Früchtchen der Weltruhm vermutlich verwehrt geblieben. Aber weil „Cranberry“ irgendwie „healthy“ und „sexy“ klingt, ist die Beere inzwischen ihrem Schattendasein als Barkeeperbeigabe entkommen und wird als Gesundheitsbeere gefeiert. Sie soll das Gedächtnis verbessern, im Mund Bakterien bekämpfen, Krebs vorbeugen und – sollte man das zu spät erfahren haben – noch die Nebenwirkungen der Chemotherapie mildern. Das Übliche halt. Und wie üblich gibt es keine guten Beweise für irgendeine dieser Behauptungen.

Tatsächlich gibt es nur einen wichtigen Gesundheitseffekt, der seit Jahren von vielen (mehr …)

Wissenshunger im Mai: Gentechnik für Biobauern

Ökoobst und konventionelle Kalorien: Die Grenzen des Biolandbaus

Ich wohne in Berlin-Mitte. Wenn Sie da laut sagen, dass Biolebensmittel nicht unbedingt besser sind als andere, haben Sie eine Diskussion am Hals, als hätten Sie gefordert, die Mieten in Berlin müssten mal kräftig angehoben werden. Wenn Sie Pech haben, schlägt sogar ein Passant mit seinem iPad nach Ihnen.

Dabei sind Bio-Debatten in ihrer Dramaturgie so vorhersehbar wie ein “Tatort”-Krimi. Unterstützer von Biolandbau sehen sich gerne als Verfechter einer grünen Revolution, die die Macht von Agrokonzernen brechen und die Umwelt vor Dünger und Pestizid bewahren will. Gegner weisen gerne darauf hin, dass Ökoanbau weniger effizient ist und deshalb mehr Land braucht – auf einem Planeten der bereits ein Drittel der Erdoberfläche für Landwirtschaft nutzt. Und dass man die Welt ja nicht auf Kosten von Hungertoten mit Biobrot beglücken müsse.

Wissenschaftler aus Montreal und Minnesota haben nun untersucht, wie viel Lebensmittel pro Fläche die verschiedenen Anbauweisen wirklich erzeugen. (mehr …)

Ab heute bin ich Hirnscanner

Neues Online-Portal rund ums Gehirn

Nach langer, langer Vorbereitung ist heute dasgehirn.info online gegangen. Auf der Internetseite, die von der Hertie-Stiftung und der Neurowissenschaftlichen Gesellschaft unterstützt wird, werden in den nächsten Monaten zahlreiche Themen aus der Neurowissenschaft erklärt. Aber auch aktuelle Entwicklungen sollen gemeldet, Fragen können gestellt werden. Außerdem gibt es ein sehr beeindruckendes 3D-Gehirn, durch das der Besucher sich zoomen kann.

Die Redaktionsleiter Arvid Leyh und Uli Kraft haben in den vergangenen Monaten viel Energie in das Projekt gesteckt und was dabei rausgekommen ist, ist wirklich beeindruckend. Ich habe zwar den Luxus einfach nur für die Seite schreiben zu dürfen, ohne mich mit organisatorischen Dingen quälen zu müssen. Trotzdem nehme ich mein Engagement bei dasGehirn.info gerne als Entschuldigung, dafür, dass ich mich hier in den zurückliegenden Wochen so wenig zu Wort gemeldet habe. Das wird sich jetzt ändern!

Außerdem werde ich auf dasGehirn.info ab sofort alle zwei Wochen den “Hirnscanner” geben und […]

Das Echo der Blume

Eine Pflanze auf Kuba lockt Fledermäuse mit einem Blatt an, das wie eine Satellitenschüssel geformt ist

Wenn es darum geht, die eigene Fortpflanzung zu sichern, sind Pflanzen äußerst erfindungsreich. Um sich bestäuben zu lassen, imitieren sie für Käfer Kopulationspartner, bieten Vögeln Nektar und Schmetterlingen Landeplätze, locken Bienen mit bunten Blüten oder Fliegen mit Aasgeruch. Einige Regenwaldpflanzen haben auch Fledermäuse in ihren Dienst gestellt. „Es gibt in Süd- und Mittelamerika ungefähr 40 Arten hoch spezialisierter Blütenfledermäuse und mehrere hundert Pflanzenarten, die sich an die Tiere angepasst haben“, sagt der Biologe Ralph Simon von der Universität Ulm.

Fledermaus Pflanze EchoSolche Pflanzen blühen meist nachts an langen Stielen, bieten den großen Tieren viel Nektar und sind weit geöffnet, um den Zugang zu erleichtern. Simon und Kollegen an der Universität Erlangen haben nun erstmals nachgewiesen, dass solche Fledermausblüten auch Signale für die Echoortung entwickelt haben, damit die Tiere sie leichter finden.
Die Wissenschaftler entdeckten über den Blütenständen der kubanischen Kletterpflanze Marcgravia evenia ein spezielles Blatt, das wie eine Satellitenschüssel geformt ist. „Dieses Blatt reflektiert für viele verschiedene Richtungen ein lautes und konstantes Echo und ist deshalb für Fledermäuse besser zu orten als ein normales Laubblatt“, […]