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Wissenshunger im April: Feige Fortpflanzung

Biblische Blüte: Das umständliche Sexleben der Feige

Sex kann mitunter verdammt umständlich sein. So simpel die Idee klingt (begehren, begatten, bestäuben), so kompliziert hat die Natur sie in manchen Fällen umgesetzt. Zum Beispiel bei der Feige. Für eine erfolgreiche Fortpflanzung müssen in der freien Wildbahn zwei Bäume, drei Blütentypen und ein winziges Insekt ein komplexes Ritual durchlaufen.

Beteiligt an der Obstorgie sind die weibliche Essfeige, die bisexuelle Bocksfeige und die Feigengallwespe. Der Blütenstand der Bocksfeige sieht von außen wie eine kleine Birne aus, die Blüten kleiden die Innenseite aus. Man kann sich das vorstellen wie einen nach innen gestülpten Blumenstrauß.

In einigen der weiblichen Blüten schlummert jeweils ein Ei der Feigengallwespe. Zuerst schlüpfen die männlichen Nachfahren, sie futtern sich aus ihrem grünen Gefängnis, ziehen dann von Blüte zu Blüte und begatten die weiblichen Wespen, die noch in ihren Blüten ruhen. Damit ist die Arbeit der männlichen Wespen auch schon getan, und sie verenden. Die Weibchen hingegen erwachen jetzt erst richtig zum Leben, sammeln Pollen von den männlichen Blüten ein, verlassen den birnenförmigen Blütenstand und fliegen davon auf der Suche nach einem neuen Feigenbaum.

Treffen sie wieder auf eine Bocksfeige, so legen sie in den weiblichen Blüten Eier ab und verenden dann ebenfalls. Das […]

Ideologie statt Aufklärung: Zur Debatte um HannoverGen

Ein bisschen spät, aber ich habe heute in der Tagesspiegel-Kolumne “Was Wissen schafft” dann doch einmal Stellung bezogen zur Debatte um HannoverGen. Hier der Text:

Was Unwissen schafft

In Schülerlaboren konnten niedersächsische Kinder und Jugendliche seit 2006 mit Gentechnik experimentieren. Der neue grüne Landwirtschaftsminister will das Vorzeigeprojekt beenden.

Desoxyribonukleinsäure. Das Wort rollt nicht gerade von der Zunge und auch die Politik hat ihre liebe Mühe mit dem Molekül. Ob Stammzellen, grüne Gentechnik, Präimplantationsdiagnostik: Immer geht es darum, das Erbgutmolekül auszulesen, abzuändern, umzuformen. Und immer wird es kontrovers. Vielleicht kommt das Molekül deswegen so selten in Sonntagsreden vor.

Bildung dagegen kommt ständig in Sonntagsreden vor. Deutschland habe kaum Rohstoffe, heißt es dann, außer den Gedanken der Menschen. Die Schüler müssten fit werden für den Wettkampf mit China, Indien und anderen aufstrebenden Wirtschaftsmächten. Dann muss der Politiker noch sagen: „Fachkräftemangel“ und „Zukunftstechnologien“ und „Innovation“.

Fertig ist die Sonntagsrede. (mehr …)

Wissenshunger im Februar: Erdnussbutter mit Antibiotika

Nicht nur Peanuts: Wie eine Erdnusspaste unzählige Leben rettet

Erdnussbutter ist, so seltsam das klingen mag, eine der großen Errungenschaften der Welternährung. Sie hat uns zwar die kulinarisch fragwürdige Kombination von Erdnussbutter und Marmelade beschert, aber sie rettet auch hunderttausende Leben.

Etwa 60 Millionen Kinder leiden weltweit an einer besonders schweren, akuten Form der Unterernährung. Sie wachsen kaum, nehmen immer weiter ab. Der Körper beginnt die eigenen Muskeln zu verdauen, um an Eiweiße zu gelangen. Flüssigkeit tritt aus den Blutgefäßen und lässt den Bauch anschwellen. Das Immunsystem ist schwach und kann Keime kaum abwehren. Weit über eine Million Kinder sterben jedes Jahr an den Folgen.

In den 90er Jahren entwickelten französische Forscher ein Nahrungsmittel, das diesen Kindern helfen sollte: RUTF, Ready-to-use therapeutic food. Im Grunde handelt es sich dabei um Erdnussbutter, die mit Milchpulver, Pflanzenöl, Zucker, Spurenelementen und Vitaminen angereichert wird. Die kalorienreiche Paste muss nicht gekocht oder mit Wasser gemischt werden und sie kann monatelang aufbewahrt werden ohne zu verderben – auch bei tropischen Temperaturen.

Die Erdnuss-Diät hat die Behandlung der Unterernährung revolutioniert. (mehr …)

Wissenshunger im Dezember: Tote Ratten, rote Heringe

Der Genmais und die Krebsratten: Warum wir endlich eine ehrliche Diskussion führen sollten

Das ist sie. DIE Studie. Die Untersuchung, die beweist, dass genetisch veränderte Pflanzen doch ein Gesundheitsrisiko darstellen. So oder so ähnlich dürften viele Leute gedacht haben, als am 19. September im Fachjournal „Food and Chemical Toxicology“ die Resultate einer Zwei-Jahres-Studie veröffentlicht wurden.

Die Ergebnisse der Forschergruppe um Gilles-Eric Séralini von der Universität Caen erregten weltweit Aufsehen: Ratten, die mit der genetisch veränderten Maissorte NK603 und dem Pflanzenschutzmittel Glyphosat gefüttert wurden, erkrankten häufiger an Tumoren und starben früher als andere Ratten. Gegner der Gentechnik sahen ihre schlimmsten Befürchtungen bestätigt.

Aber von Anfang an waren Wissenschaftler fast einhellig in ihrer Kritik: (mehr …)