O104

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EHEC-Update: Entlastete Gurken, schneller Test, gefährlicher Keim

Der EHEC-Erreger greift das Gehirn offenbar stark an. Forscher vermuten inzwischen, dass der Keim gefährliche Eigenschaften verbindet, die bisher nicht zusammen aufgetreten sind

Ein langes Wochenende steht bevor, aber ehe ich mich hier verabschiede, die wichtigsten Neuigkeiten zum Thema EHEC:

– Die spanischen Gurken sind (mehr oder weniger) entlastet
Als die Hamburger Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks am vergangenen Donnerstag vor die Presse trat, verkündete sie einen „großen Erfolg“. Das Institut für Hygiene und Umwelt (HU) hatte den EHEC-Erreger auf spanischen Biogurken nachgewiesen. Aber inzwischen ist klar, dass es nur eine falsche Fährte war.
Weitere Untersuchungen in Hamburg und am Referenzlabor für EHEC am Bundesinstitut für Risikobewertung in Berlin, haben gezeigt, dass es sich bei den Escherichia coli-Bakterien auf den Gurken um einen anderen Stamm handelt als den aus Patienten-Stuhlproben isolierten Typ O104.
Das Institut hatte vergangene Woche nur das Shigatoxin nachgewiesen, dass manche E.coli-Bakterien produzieren. Genau genommen beweist das allerdings noch nicht (mehr …)

Kampf gegen den EHEC-Erreger: Neues Medikament Eculizumab könnte Leben retten

Ein verzweifelter Heilversuch des Heidelberger Arztes Franz Schaefer könnte helfen, die Todesserie bei EHEC-Patienten zu stoppen

Irgendwann wusste der Heidelberger Nierenspezialist Franz Schaefer nicht mehr weiter. Ein junges Mädchen war in das Klinikum eingeliefert worden. Es hatte sich mit dem EHEC-Erreger O157 infiziert und das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS) entwickelt, die gefährlichste Komplikation einer solchen Infektion. Die Mediziner hatten kaum Optionen: Antibiotika werden HUS-Patienten nicht gegeben. Denn die Ursache des Syndroms ist ein Gift, das die Bakterien freisetzen. Antibiotika würden die Bakterien zerstören, die randvoll mit dem Gift gefüllt sind, und die Situation verschlimmern. Die einzige Behandlung: Plasmaaustausch. Dabei werden die Zellen im Blut vom flüssigen Bestandteil, dem Plasma getrennt und das Plasma, in dem das Gift schwimmt, dann durch gespendetes Blut ersetzt.

Aber auch nach mehrmaligem Plasmaaustausch verschlechterte sich der Zustand des Mädchens immer weiter. Der Erreger begann auch das Gehirn anzugreifen, eine seltene, aber dramatische Wendung. „Sie entwickelte Sprachfindungsstörungen, litt unter Krämpfen und einer Lähmung und fiel dann schließlich ins Koma“, erinnert sich Professor Schaefer.

Er entschloss sich zu einem ungewöhnlichen Schritt. Er gab dem Mädchen ein neues Medikament, Eculizumab, das seit 2007 für eine andere Erkrankung zugelassen war. Eculizumab hemmt einen bestimmten Teil des menschlichen Immunsystems, der normalerweise dafür […]

Rumgegurkt: Woher kam der EHEC-Erreger?

Das Hygiene-Institut in Hamburg hat den EHEC-Erreger auf drei Biogurken aus Spanien nachgewiesen.

UPDATE: I have also written an English language article on this topic for the website  of Science magazine, ScienceInsider.

Die Pressepolitik der Hamburger Stellen war heute nicht gerade vorbildlich. Erst waren es drei Gurken aus Spanien, davon eine Biogurke. Dann vier Gurken, davon drei aus Spanien. Dann vier Gurken davon drei Biogurken. Was haben die Forscher des Hamburger Hygiene-Instituts genau herausgefunden?

Offenbar ist es ihnen gelungen, den EHEC-Erreger auf insgesamt vier Salatgurken nachzuweisen. Drei der Proben kamen vom Großmarkt Hamburg. Es handelt sich um Biogurken aus Spanien. „Die Gurken kommen von zwei Produzenten: Pepino Bio Frunet mit Sitz in Malaga und Hort O Fruticola mit Sitz in Almeria“, sagte mir Sinje Köpke vom Institut für Hygiene und Umwelt in Hamburg. Bei der vierten Gurke handelt es sich um (mehr …)

EHEC-Epidemie durch seltenen Erreger ausgelöst

E.coli O104 ist offenbar Ursache der Erkrankungen in Deutschland

UPDATE: I have also written an English language article on the topic for the website  of Science magazine, ScienceInsider.

Der EHEC-Erreger, der zurzeit in Deutschland grassiert, gehört offenbar zu einem seltenen Stamm. Das haben erste Untersuchungen des Nationalen Referenzlabors für EHEC-Infektionen in Wernigerode ergeben. “Es sieht im Moment danach aus, als sei ein EHEC vom TYP O104 Ursache der Erkrankungen“, sagte mir heute Klaus Stark, Arbeitsgruppenleiter für gastrointestinale Infektionen und Zoonosen am Robert-Koch-Institut. Dieser E.coli-Typ gehört nicht zur „Fünferbande“, die üblicherweise in Europa Erkrankungen verursachen.

E.coli O104 fiel erstmals 1994 als Krankheitserreger auf. Damals erkrankten im Februar und März mehrere Menschen in Helena, Montana. Sie litten unter schweren Magenkrämpfen und blutigem Durchfall, vier von ihnen kamen ins Krankenhaus. Eine Untersuchung der amerikanischen Seuchenschutzbehörde CDC ergab später, dass E.coli O104:H21 die Ursache der Erkrankung war. Als Quelle der Infektion vermuteten die Seuchenexperten Milch. Fast alle Erkrankten tranken zu Hause Milch der selben Marke. Der Erreger konnte aber weder in der Molkerei noch bei den Kühen nachgewiesen werden. Interessanterweise waren in Montana, ähnlich wie jetzt in Deutschland, mehr Erwachsene als Kinder und mehr Frauen als Männer betroffen.