Wenn Wissenschaftsredakteure aufgefordert werden, Beispiele für die Grenzen des menschlichen Wissens aufzuzeigen, dann kommen sie meistens mit den ganz großen Kloppern: Warum gibt es Materie? Wie entsteht Bewusstsein? Gibt es intelligentes Leben auf der Erde? Wenn ich das nächste Mal aufgefordert werde, so ein Beispiel zu geben, werde ich sagen: Warum stinkt mein Urin so erbärmlich, wenn ich Spargel gegessen habe?
Das weiß bis heute auch noch keiner. Jedenfalls nicht ganz genau. Und im Gegensatz zu der Frage, was vor dem Urknall war, beschäftigt mich das jetzt in der Spargelsaison fast täglich. Ich bin damit auch nicht allein: Schon Benjamin Franklin erboste sich über den Gestank, während Proust meinte, der Duft verwandele seinen Nachttopf in eine Parfümflasche.
Der polnische Chemiker Marceli Nencki wurde 1891 als Erster tätig: Er ließ vier Männer je zwei Kilogramm Spargel essen, sammelte ihr Urin, untersuchte es und erklärte das Molekül Methanethiol zum Übelriecher. Seitdem haben Forscher rund zwanzig weitere Substanzen zur Ursache des Geruchs erklärt. Welche nun den Großteil des Ärgers verursacht, ist umstritten. Gemeinsam haben sie eigentlich nur eines: Sie enthalten mindestens ein Schwefelatom. Damit können sie, beim Kochen oder im […]